Für den Alpabzug vom Urnerboden habe ich nicht nur meinen Tschoopä gewechselt, auch der Wecker klingelte früher als üblich. Zusammen mit meiner Mutter und vier weiteren Gehilfen fuhren wir sehr früh am Morgen Richtung Klus-Urnerboden, wo die Kühe den Sommer verbracht hatten. Mein Bruder Hans ist am Vortag bereits mit den Kühen vom Urnerboden in die Klus marschiert, damit der eigentliche Alpabzug etwas verkürzt werden konnte. Trotzdem hatten wir immer noch einen langen fünfstündigen Weg vor uns. In der Klus angelangt wurden die Kühe mit den Blumen, welche meine Mutter und ich am Vortag hergerichtet hatten, geschmückt. Es herrschte eine merkwürdige Stimmung. Auf der einen Seite freuten sich alle, dass es endlich losgeht - auf der anderen Seite waren wir aber auch leicht angespannt und hofften, dass alles ohne Probleme abläuft. Nicht selten kommt es vor, dass sich eine Kuh auf dem Weg verletzt und mit dem Wagen abtransportiert werden muss.

Um 6.00 Uhr marschierten wir dann endlich los Richtung Klausenpasshöhe. Am Anfang hatten die Kühe noch ihre ganze Kraft und wir mussten fast rennen um mit dem Tempo mithalten zu können. Nach der Passhöhe folgten wir der Lini entlang nach Urigen. Die Kühe hatten mittlerweile ihren «Tramp» gefunden und es gab weniger Ausweichmöglichkeiten für die Kühe. So konnten wir etwas aufatmen und die ersten Sonnenstrahlen am Schärhorn bewundern. Nach ungefähr 2.5 Stunden waren wir bereits bei der Getschwiler Kapelle angelangt, wo wir uns und den Kühen eine kleine Verschnaufpause gönnten. Anschliessend folgte die zweite Etappe via Getschwiler- und Witerschwandnergasse nach Obrieden, Bürglen. Schliesslich sind wir alle um 11.15 Uhr müde aber zufrieden am Ziel angekommen.

Der fünfstündige Marsch ist zwar körperlich anstrengend aber Balsam für die Seele. Der Alpabzug war für mich Gänsehautfeeling und ein absolutes Highlight im Jahr 2016. Daher will ich auch nächstes Jahr wieder dabei sein und helfen.